Werbung macht noch keinen Dampfer

Aktuelle Studie zur E-Zigarettenwerbung verleitet zu Missinterpretationen

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT Nord) Kiel[1] soll zeigen, dass zwischen der Wahrnehmung von E-Zigarettenwerbung durch Minderjährige und dem Konsum von E-Zigaretten ein Zusammenhang besteht. Für die Studie waren etwa 7000 Schüler aus verschiedenen deutschen Bundesländern im Schuljahr 2016/2017 befragt worden.

Zu den Ergebnissen erklärt der 1. Vorsitzende des Verbandes des E-Zigarettenhandels (VdeH), Michal Dobrajc: „Die Schlussfolgerungen der Autoren lesen sich zunächst alarmierend, bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die vorliegende Studie kann keinerlei Wirkungszusammenhang zwischen der Wahrnehmung von Werbung und dem Konsum von E-Zigaretten nachweisen. Wie die Autoren selber einräumen, lässt sich nicht sagen, ob Jugendliche verstärkt E-Zigaretten nutzen, weil sie Werbung sehen oder ob umgekehrt bestehende Nutzer die Werbung schlichtweg stärker wahrnehmen als Nicht-Nutzer.“ Mehr noch: Die Ergebnisse bestätigen vorherige Studien, die auch andere Faktoren wie die individuelle Risikobereitschaft und den Freundeskreis in die Erklärung individueller Konsumentscheidungen einbeziehen. Dobrajc: „Dass Werbung Jugendliche zum Konsum der E-Zigarette verleitet, kann die Studie gerade nicht zeigen.“

In der Studie wurde untersucht, inwiefern Fernsehwerbung und Werbung im Internet für E-Zigaretten einen Einfluss auf das Verhalten von Jugendlichen haben. Beide Arten der Werbung für E-Zigaretten sind jedoch schon im Mai 2016 vom Gesetzgeber verboten worden.

Michal Dobrajc: „Als potenzielle Verbraucher möchten wir ausschließlich erwachsene Raucher ansprechen, die weiterhin Nikotin konsumieren, aber ihr Schadensrisiko gegenüber dem Konsum von konventionellen Zigaretten potenziell reduzieren möchten. Die Mitgliedsunternehmen des VdeH haben sich schon 2011 dazu verpflichtet, keine Werbung zu betreiben, die sich implizit oder explizit an Jugendliche richtet. Der Schlüssel für einen funktionierenden Jugendschutz liegt aber vor allem in der konsequenten Durchsetzung des Abgabeverbots an Minderjährige im Handel, das seit April 2016 gilt und für das sich der VdeH auch beim Gesetzgeber eingesetzt hatte.“ Dobrajc weiter: „Für unsere Mitglieder ist es eine Selbstverständlichkeit, die Produkte nur an volljährige Kunden zu verkaufen. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zigarettenverband haben wir darüber hinaus ein kostenloses E-Learning Tool für Einzelhändler entwickelt, das die Aufmerksamkeit für die Jugendschutzthematik auch im Handel weiter erhöht. Das Projekt steht kurz vor dem Abschluss und wir freuen uns, das Tool in Kürze online zur Verfügung stellen zu können.“

„Die Sorge, die in der Studie zum Ausdruck kommt, dass Jugendliche durch die E-Zigarette zu Tabakrauchern werden, ist zwar intuitiv verständlich, aber empirisch nicht haltbar“, betont Dobrajc. „Eine Vielzahl von Untersuchungen, wie zum Beispiel der aktuelle Report von Public Health England (PHE), die Stellungnahme des Royal College of Physicians und auch der Bericht des britischen Unterhauses, finden keinen sogenannten Gateway-Effekt. In Großbritannien, aber auch in Deutschland, sinken die Raucherquoten junger Menschen erfreulicherweise kontinuierlich, wie es zuletzt auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung festgestellt hatte. Dies gilt auch und insbesondere nach der Markteinführung der E-Zigarette.“, verweist der VdeH-Vorsitzende auf die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und die aktuelle Marktentwicklung.

Ein komplettes Werbeverbot für die E-Zigarette einzuführen, so wie es die Autoren fordern, hält Michal Dobrajc unter diesen Voraussetzungen für nicht erforderlich – im Gegenteil: „Eine Studie des IFT München hat kürzlich ermittelt, dass die Mehrheit der Deutschen die E-Zigarette immer noch als mindestens genauso schädlich wie eine Tabakzigarette betrachten. Allerdings belegt die wissenschaftliche Evidenz, dass die E-Zigarette deutlich weniger Schadstoffe produziert. Wenn nun den Produzenten und Händlern die Möglichkeit genommen wird, über die Produkteigenschaften zu informieren, kann dem falschen Bild in der Öffentlichkeit nicht begegnet werden. In der Konsequenz hieße das, dass weniger Raucher umsteigen würden, wodurch sie gesundheitlich die größten Verlierer blieben.

Dobrajc abschließend: „Verbote würden die enormen gesundheitspolitischen Chancen der E-Zigarette negieren und wenig zur Akzeptanz des Produktes in der Öffentlichkeit beitragen. Wir brauchen vielmehr eine aufgeklärte Debatte über das Produkt und sollten nun endlich die Chancen der E-Zigarette auch in Deutschland ergreifen. Wir sind gerne bereit, an einer zukunftsweisenden und sinnvollen Regulierung der E-Zigarette mitzuarbeiten.“

 

Über den VdeH

Der 2011 gegründete Verband des eZigarettenhandels e.V. (VdeH) ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, die elektrische Zigaretten und/oder Zubehör vertreiben oder herstellen. Ziel der Verbandsarbeit ist die Aufklärung der Öffentlichkeit über die gesundheitspolitische Chance, die das Produkt E-Zigarette als Alternative zum Tabakkonsum bietet.

Weiterführende Informationen zur Studienlage finden sich auch unter http://www.vd-eh.de/daten-fakten-zur-e-zigarette-aktueller-stand-der-studien/#fakten.

[1] Hansen J, Hanewinkel R, Morgenstern M. Electronic cigarette marketing and smoking behaviour in adolescence: a cross-sectional study. ERJ Open Res 2018; 4: 00155-2018