Daten & Fakten zur E-Zigarette

Inhaltsverzeichnis

8. Mythen

Die E-Zigarette als alternatives Produkt zur Tabak-Zigarette hat bei vielen Akteuren aus dem Bereich der Gesundheitspolitik und der Tabakkontrolle Fragen aufgeworfen. Neben den Akteuren, die sich berechtigte Sorgen um mögliche gesundheitliche Risiken machen, haben sich in den letzten Jahren aber auch viele Skeptiker als Gegner positioniert. Mit umfassenden PR-Aktivitäten haben sie gezielt eine Reihe von Thesen in die Debatte eingebracht, die einer näheren Prüfung oft nicht standhalten. Zu den so platzierten Fragen gibt es inzwischen eindeutige Antworten, die im Folgenden kurz dargestellt werden.

8.1 Schlechte Studienlage

Häufig wird von Gegnern der E-Zigarette behauptet, es gäbe kaum belastbare Studien über das Produkt.

Feststellungen

  1. Schon 2014 wurden in einer Übersichtsarbeit insgesamt rund 9.000 Untersuchungen zur elektrischen Zigarette analysiert.48
  2. Auf einer deutschsprachigen Seite sind 200 größere Studien zur E-Zigarette aufgelistet.
  3. Langzeitstudien: Prof. Mayer von der Universität Graz war als Sachverständiger zur E-Zigarette am 14. Februar 2016 zu einer Anhörung im Bundestag eingeladen. Dort kam die Sprache auf fehlende Langzeitstudien. Seine Replik: „Wir haben jetzt hinter uns 50 bis 100 Millionen Dampferjahre“, gemessen an der weltweiten Zahl der Dampfer und der Zeit. „Es hat sich noch niemand nachhaltig durch die Inhalation geschädigt.“49Eine Forderung nach Langzeitstudien hält Mayer für „absurd“, da für solche Studien Nichtraucher rekrutiert werden müssten, um auszuschließen, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen Langzeitfolgen des Tabakrauchens sind.50

Fazit
Von einer schlechten Studienlage kann keine Rede sein. Zum Thema Langzeitstudien sei darüber hinaus erwähnt, dass sogar Medikamente ohne die Anforderung von Langzeitstudien auf den Markt gebracht werden dürfen. Die Vorgaben zu den Inhaltsstoffen und die explizite Vorschrift, dass nur Stoffe verwendet werden dürfen, die kein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen, trägt dem Vorsorgeprinzip in vollem Umfang Rechnung.

8.2 Popcornlunge

Ein abstruses Schreckensbild geisterte Ende 2015 durch die Medien: „Von E-Zigaretten kriegt man eine Popcorn-Lunge“ (BILD-Zeitung 11.12.2015).

Auslöser ist eine Meldung der Harvard University. Es wurde eine Studie veröffentlicht, in der 51 E-Zigaretten-Liquids auf Diacetyl getestet wurden. Diacetyl kann bei hohen Konzentrationen schwerwiegende Lungenerkrankungen („Popcorn-Lunge“) hervorrufen. Der Dampf von 39 Liquids enthielt laut den Laborergebnissen Diacetyl in sehr unterschiedlichen Konzentrationen. Der Durchschnittswert lag bei neun Mikrogramm pro Kartusche.

Feststellung

  • Auch im Rauch von Tabakzigaretten wurde Diacetyl nachgewiesen, und zwar in einer erheblich größeren Menge als bei E-Zigaretten.51 Trotzdem zählt die „Popcorn-Lunge“ nicht zu den Krankheitsbildern bei Tabakrauchern.Ein weiterer Fakt ist, dass es kaum noch Liquid-Hersteller in Europa gibt, deren eLiquids Diacetyl enthalten.

Stellungnahme des Verbands des eZigarettenhandels

  • „Wir möchten an dieser Stelle ganz deutlich darauf hinweisen, dass Diacetyl nichts in eZigarettenliquids zu suchen hat. Auch in geringen Mengen nicht. Die meisten Hersteller von Liquids in Europa verzichten auf die Verwendung von Diacetyl. Die untersuchten Liquids in der HavardStudie werden ausschließlich auf dem US-Markt angeboten.“ (Pressemeldung VdeH 17.12.2015)

Fazit
Eine bessere Recherche zum Thema Diacetyl hätte gezeigt, dass kein Grund für die alarmierenden Meldungen besteht. Das Problem ist bekannt und durch Verzicht auf den Stoff – schon lange vor Veröffentlichung der Studie – auch weitestgehend gelöst.

8.3 „Gateway“-Hypothese

Die „Gateway“-Hypothese behauptet, dass elektrische Zigaretten für Jugendliche oder Nichtraucher ein möglicher Einstieg (Gateway) in den Tabakkonsum sein könnten.

Feststellung

  1. Die „Gateway“-Hypothese wird trotz mangelnder Beweislage immer wieder angeführt. Hinsichtlich eines behaupteten Zusammenhangs zwischen E-Zigarette und Tabakzigarette gibt es zahlreiche Studien, die die Hypothese ins Land der Mythen zurückverweisen:
  2. Public Health England: Es gibt bisher keinen Beweis dafür, dass E-Zigaretten Kinder oder Nichtraucher zum Rauchen verleiten.52
  3. Das Mannheimer Institut für Public Health stellt in einer grundsätzlichen Publikation fest, dass die „Gateway“-Hypothese weder erklären kann, warum Jugendliche E-Zigaretten ausprobieren, noch einen Zusammenhang zwischen Konsum von E-Zigaretten und Tabakzigaretten aufzeigt. Bisher wurde keine Forschung veröffentlicht, die einen kausalen Zusammenhang aufzeigen würde.53
  4. Im August 2015 veröffentlichte die englische Nichtraucherorganisation ASH (Action on Smoking and Health) eine Studie zur Nutzung von E-Zigaretten bei Kindern und Jugendlichen in Großbritannien. Ergebnisse: Eine regelmäßige Nutzung von E-Zigaretten bei Jugendlichen ist selten. Am häufigsten probieren Jugendliche E-Zigaretten, die derzeit rauchen oder früher geraucht haben. Daher ist die Gateway-Hypothese unwahrscheinlich.54

Fazit
Die Gateway-Hypothese entspricht nicht der Realität. Außerdem sollte die Debatte darüber nach Einführung eines neuen umfassenden Jugendschutzgesetzes am 1. April 2016 beendet sein.

8.4 Explosionen

Vereinzelte Explosionen von E-Zigarettenakkus haben bei einigen Nutzern Ängste geschürt. Die Frage nach der generellen Sicherheit von elektrischen Zigaretten wurde in zahlreichen Medienberichten gestellt.

Feststellung

  • E-Zigaretten sind sicher, wenn der Nutzer sich an die Verwendung von Originalprodukten hält und diese nicht manipuliert. Die Sicherheitsanforderungen an E-Zigaretten sind hoch. Fehlfunktionen wie Tiefentladung oder Entgasung sind bei ordnungsgemäß in die EU eingeführten Originalgeräten nahezu ausgeschlossen.

Fazit
Bei allen Akku-Unfällen mit schwerwiegenden Verletzungen wurden entweder eigenimportierte Billignachbauten (Plagiate) verwendet, welche nicht über ausreichende Sicherheitsstandards verfügten. Oder es handelte sich um durch die Nutzer selbst gebastelte Modelle (Mods), bei denen die einzelnen Komponenten nicht aufeinander abgestimmt waren.

8.5 Aromendebatte

Im Zuge der Debatte zum Jugendschutz wurde schon frühzeitig ein Aromenverbot für eLiquids gefordert. Die Behauptung: Süße und fruchtige Aromen wären gerade für Kinder und Jugendliche verlockend und würden diese zum Kauf von E-Zigaretten animieren. Die Forderung eines Aromenverbots ist weiterhin aktuell, obwohl sich die Gesetzeslage für Kinder und Jugendliche deutlich verändert hat.

Feststellungen

  • Der Verband des eZigarettenhandels hat als Selbstverpflichtung für seine Mitglieder (80 Prozent des deutschen Marktes) schon 2012 festgelegt, dass E-Zigaretten und eLiquids nur an erwachsene Verbraucher verkauft werden dürfen. Außerdem ist der Verkauf von E-Zigaretten an Kinder und Jugendliche nach Inkrafttreten des neuen Jugendschutzgesetzes am 1. April 2016 bundesweit unter Strafe gestellt. Dem Jugendschutz wird damit Rechnung getragen. Für die Dampfer selbst verschwände mit einem Aromenverbot ein attraktiver Mehrwert. Aus gesundheitspolitischer Sicht würde das Aromenverbot den Umstieg auf die bei weitem risikoärmere E-Zigarette unnötigerweise beschränken. Gerade die Aromen machen E-Zigaretten für Dampfer attraktiver als die früher konsumierten Tabakzigaretten und verhindern ein „Zurückwechseln“ der Umsteiger zur herkömmlichen Zigarette. Es geht hier auch nicht darum, wie in der Tabakkontrolle den Eigengeschmack von Tabak zu überdecken – sondern darum, den geschmacksfreien Liquids ein Aroma zu geben. Eine analoge Regelung zu Aromen bei Tabak oder die Herleitung von Kategorien aus der Tabakkontrolle sind keine sinnvollen Leitlinien für den Umgang mit Aromen in Liquids. Der Maßstab für ein Verbot kann nur die nachgewiesene Schädlichkeit der verwendeten Stoffe als solcher sein. Durch die gesetzlichen Regeln zur Reinheit und die 6-Monats-Frist für die Meldung von Inhaltsstoffen ist gewährleistet, dass keine schädlichen Stoffe auf den Markt gelangen.

Fazit
Die Aufrechterhaltung der Forderung nach einem Aromenverbot trotz einer eindeutigen Gesetzeslage kommt einem Eingriff in die freie Willensentscheidung erwachsener Menschen gleich. Die Vielfalt an Aromen ist ein gewichtiger Teil der Erfolgsstory von E-Zigaretten, die in den nächsten Jahrzehnten einer großen Zahl von Menschen dabei helfen wird, mit deutlich weniger Gesundheitsschädigungen als zu Zeiten des Tabakkonsums leben zu können.

 

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